Leo Brawand: Die Leute vom Damme

Der Damm, das ist der Engelbosteler Damm, die Hauptstraße des Hannoveraner Stadtteils Nordstadt. Dort hat der Verfasser dieser Zeilen in den 80er und 90er Jahren seine Jugend verbracht. Brawand auch, dieser freilich in den 30er und 40er Jahren.

Leo Brawand, Jahrgang 1924, war kein (oder jedenfalls: nicht nur ein) Heimatforscher und Lokalpatriot. Er hat 1946 zur Gründungs-Redaktion des Spiegels (der ja in Hannover gesessen hat) gehört. Als Rudolf Augstein während der Spiegel-Affäre 1962 einige Monate im Kittchen gesessen hat, hat Brawand ihn als Chefredakteur vertreten. Es gibt die Anekdote, daß er sich während der Durchsuchung der Spiegel-Redaktion am 26. Oktober 1962 schnell mit einem Telefon im Schrank versteckt und so die Presse alarmiert habe – dieses Dönecken läßt sich natürlich auch der Film „Die Spiegel-Affäre“ von 2014 nicht entgehen.

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Asfa-Wossen Asserate: Der letzte Kaiser von Afrika. Triumph und Tragödie des Haile Selassie

Dem deutschen Leser geht dieses Werk vielleicht weniger nahe als Asfa-Wossens berühmtes Manierenbuch von 2003 oder seine Schriften über Deutschland und die Deutschen (Deutsche Tugenden, Draußen nur Kännchen). Das Buch ist jedoch nicht nur dem, der gerne über Hoheiten liest, sondern auch dem, der sich für Afrika und seine Geschichte interessiert, eine ebenso belehrende wie kurzweilige Lektüre.

Und daß wir uns vielleicht alle etwas mehr für Afrika interessieren sollten, zeigt uns mittlerweile jeder Einkauf in einem deutschen Großstadt-Supermarkt, wenn der nicht gerade in einem grünen oder schwarzen Bonzenviertel liegt. Zwischenzeitlich (2016) hat Asfa-Wossen noch ein Buch mit dem Titel Die neue Völkerwanderung: Wer Europa bewahren will, muss Afrika retten veröffentlicht. Sobald es als Taschenbuch erschienen ist, und das dürfte bald geschehen, lese ich es möglicherweise.

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Marlen Haushofer: Die Wand

Dieses Buch hat mich begeistert und mitgerissen. Ich bin in den letzten Jahren ein träger und schlechter Bücherleser geworden, und wenn ich einen Roman in zwei Tagen verschlinge, wie seit Jugendtagen nicht mehr, so wird das schon etwas zu bedeuten haben – zumal, wenn es sich über weiter Strecken um ein Katzen-, gar ein Hundebuch handelt. Übrigens vermöchte ich mir kaum ein Buch vorszustellen, das Hunde, Kühe und Katzen freundlicher beschriebe, ohne sie im mindesten zu vermenschlichen – empathischer geht es kaum.

Ich bin durch die (wundersamerweise übrigens gelungene) Verfilmung aus dem Jahre 2012 aufmerksam geworden, sie lief vor zwei oder drei Wochen auf arte.

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Das ẞ – ich bin dafür

Gestern wurde bekannt, daß man von nun an das große Eszett, das ẞ, nach den Vorstellungen des „Rechtschreibrates“ verwenden können/dürfen soll. Nun denn. Über diesen Buchstaben wurde in der Typographenszene seit Jahren immer wieder einmal diskutiert, teils mit erheblichem Emotions-Aufwand. Seit Jahren schon gibt es eine Unicode-Stelle für ihn – in den meisten Fonts freilich war und ist er nicht vertreten.

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Übrigens…

…habe ich mit diesem (nun fast stilliegenden) Blog heute vor genau zehn Jahren angefangen.

Siehe bitte hier.

(Ich legte nur Wert auf die Feststellung, daß ich das Template dieses Blogs seither nie erneuert, sondern immer nur aus dem damaligen Standard-Template von WordPress [„kubrick“] weiterentwickelt habe.)

70 Jahre Niedersachsen. Von der Zwangsheirat zur Vernunftehe

Gefeiert werden soll der Geburtstag nach landesobrigkeitlichen Vorstellungen morgen, am 1. November 2016. Die Verordnung der britischen Militärregierung zur Gründung des Landes stammt vom 8. November 1946, sie wurde aber rückwirkend zum 1. November 1946 ausgestellt. Nun denn, der 8. November ist 2016 wohl doch zu sehr von der US-amerikanischen Präsidentschaftswahl besetzt, um Raum für landes-herrliche Geburtstagsfeiern zu lassen. Allerheiligen ist im mehrheitlich evangelischen Niedersachsen keine Konkurrenz – abgesehen vielleicht davon, daß es durch das mittlerweile allgegenwärtige Halloween doch wieder ein bißchen eine Konkurrenz geworden ist.

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arte: „Vom Kämpfen und Sterben der Internationalen Brigaden“

Mit einiger Erleichterung nimmt man zur Kenntnis, daß dieser Film mit seinem schönen deutschen Titel keine ganz typisch französische Geschichtsdokumentation ist: Schwulst, Pennälerhaftigkeit, Simplifizierung und Pathos halten sich in erträglichen Grenzen; größenwahnsinnige Intellektuelle, die alles ganz genau wissen, kommen nicht als Interviewpartner zu Wort. Es gibt erfreulicherweise überhaupt keine Interviews, erst recht nicht mit „Erbzeugen“, also Kindern und Enkeln von Beteiligten – eine Wohltat im Vergleich zu den deutschen Guido-Knopp-Geschichtchen. Vollends zu überzeugen vermag das Opus Patrick Rotmans allerdings auch nicht.

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Zur Stadtentwicklung Hannovers im 19. Jahrhundert

Zunächst1 zwei Stadtpläne Hannovers, die genau den selben Ausschnitt im selben Maßstab zeigen: ein Stich von 1834 (Bildvorlage) und ein Screenshot aus dem freien Kartenprojekt Openstreetmap von heute. Zu sehen sind jeweils die heutige Altstadt – also das, was früher ganz Hannover gewesen ist – und die in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erbaute und in die Stadtbefestigungen miteinbezogene Calenberger Neustadt im Westen der Altstadt.

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Im Blumencronkasten: faz.net gegen Werbeblocker

Seit einigen Tagen fährt faz.net eine Kampagne gegen Browser-Werbeblocker: Leser, die einen Werbeblocker aktiviert haben, bekommen auf der Startseite und auf den meisten Artikelseiten ganz oben einen Kasten mir einem Dutzi-Dutzi-Text angezeigt (siehe Screenshot). Dieser Text ist vom Chef der Online-Redaktion, Mathias Müller von Blumencron, verantwortet und unterzeichnet und läßt sich folgendermaßen zusammenfassen:

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Kein Scrobbeln mehr?

Vor einer Woche wurde der Webauftritt des Musikdienstes last.fm (Wikipedia) einer grundlegenden Überarbeitung unterzogen. Ergebnis: Es funktioniert so gut wie gar nichts mehr, und das Geschrei in der verbliebenen Fangemeinde des Dienstes ist ein Unermeßliches.

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Zwanzig Jahre nach dem Höhepunkt der Chaostage in Hannover

Und nun jährt sich die Sache also schon zum zwanzigsten Male – anno 1995 war’s. Im WDR-Stichtag gibt es heute einen anhörbaren Beitrag dazu. Vor knapp zehn Jahren hatte ich in meinem damaligen Forum konjunktiv 2 persönliche Erinnerungen dazu zu Protokoll gegeben und den Text dann hier 2008 aus der Mottenkiste geholt – und hiermit mache ich das nun noch einmal. Um der lieben Authentizität willen habe ich keine Veränderungen am Text vorgenommen, sondern nurmehr zwei kaputte Links entfernt.

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